Reisekrankheit
Was ist Reisekrankheit?
Reisekrankheit, auch als Kinetose bekannt, ist eine vorübergehende Störung des Gleichgewichtssinns, die während oder nach Reisen auftritt. Sie entsteht durch widersprüchliche Signale zwischen dem Auge, dem Innenohr und dem Gehirn. Besonders häufig tritt dieses Phänomen während Autofahrten, Flügen, Schiffsreisen oder Bahnfahrten auf. Die Symptome können von leichtem Unbehagen bis zu starker Übelkeit reichen und beeinträchtigen damit die Reisefreude erheblich.
Ursachen und Auslöser
Die Reisekrankheit wird hauptsächlich durch Bewegungen ausgelöst, die das Gleichgewichtsorgan im Innenohr irritieren. Wenn Sie beispielsweise in einem Auto sitzen und die Landschaft vorbeizieht, während Ihr Körper die Bewegung spürt, kann dies zu Verwirrung zwischen den Sinneswahrnehmungen führen. Weitere Auslöser sind ständig wechselnde Lichtverhältnisse, schlechte Belüftung und psychische Faktoren wie Angst oder Stress. Manche Menschen sind genetisch anfälliger für Reisekrankheit als andere, weshalb die Veranlagung oft in Familien gehäuft auftritt.
Häufigkeit und Betroffene
Etwa 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung leidet gelegentlich unter Reisekrankheit. Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren sind besonders anfällig, während ältere Menschen seltener betroffen sind. Frauen leiden häufiger darunter als Männer, möglicherweise aufgrund von hormonellen Unterschieden. Dies bedeutet, dass Reisekrankheit ein weit verbreitetes Problem ist, das viele Menschen kennen oder selbst erleben.
Symptome und Beschwerden
Die Symptome der Reisekrankheit variieren je nach Intensität und Dauer der Reise erheblich. Sie treten typischerweise innerhalb der ersten Stunde einer Reise auf, können aber auch später beginnen und sich graduell verstärken.
Körperliche Symptome
Das häufigste Symptom ist Übelkeit, gefolgt von Kopfschmerzen und Schwindel. Viele Patienten berichten von Müdigkeit, vermehrtem Speichelfluss und einem allgemeinen Gefühl der Benommenheit. In schweren Fällen kommt es zu Erbrechen, Schweißausbrüchen und Blässe. Diese Symptome können mehrere Stunden anhalten, verschwinden aber in der Regel kurz nach Ende der Fahrt vollständig. Die körperlichen Beschwerden können von leicht bis intensiv reichen und den Aufenthalt an Bord erheblich beeinträchtigen.
Psychische Auswirkungen
Neben den physischen Beschwerden können erhebliche psychische Belastungen entstehen. Viele Menschen entwickeln Angst vor zukünftigen Reisen, was zu Vermeidungsverhalten führt. Dies kann erhebliche Einschränkungen im beruflichen und privaten Leben zur Folge haben. Das Wissen um mögliche Symptome kann ironischerweise die Symptome selbst verschlimmern, da die Angst das Gehirn zusätzlich belastet.
Vorbeugungsmassnahmen
Es gibt zahlreiche Strategien, um Reisekrankheit zu verhindern oder ihre Auswirkungen zu minimieren. Eine Kombination verschiedener Ansätze führt oft zu den besten Ergebnissen.
Verhaltensmassnahmen
Während der Fahrt sollten Sie sich auf einen festen Punkt konzentrieren und nicht in Fahrtrichtung nach vorne blicken. Das Lesen von Texten oder das Schauen auf das Smartphone verstärken die Symptome erheblich. Eine ausreichende Belüftung und die Vermeidung von schweren Mahlzeiten vor der Reise können hilfreich sein. Häufige Pausen, besonders bei längeren Autofahrten, geben dem Gleichgewichtssystem Zeit, sich zu stabilisieren. Folgende Verhaltenstipps sind besonders wirksam:
- Fokussieren Sie auf einen festen Punkt oder den Horizont
- Vermeiden Sie Bildschirme und Lesematerial während der Fahrt
- Halten Sie regelmässig an und machen Sie kurze Spaziergänge
- Sorgen Sie für frische Luft durch offene Fenster
- Essen Sie vor der Reise leichte Mahlzeiten
Alternative Methoden
Ingwer gilt als natürliches Mittel gegen Übelkeit und wird von vielen Reisenden bevorzugt. Akupressurbänder, die auf das Handgelenk gelegt werden, sollen Druckpunkte stimulieren und Symptome lindern. Auch regelmässige Atemübungen und progressive Muskelentspannung können helfen, die Symptome zu kontrollieren. Eine gute Schlafqualität in der Nacht vor der Reise trägt ebenfalls zur Prävention bei und erhöht die generelle Belastbarkeit des Körpers.
Medikamentöse Behandlung
Für Menschen, die regelmässig unter Reisekrankheit leiden, bietet die Apotheke verschiedene wirksame Medikamente an, die gezielt gegen die Symptome wirken.
Antihistaminika
Dimenhydrinat ist eines der bekanntesten Medikamente gegen Reisekrankheit und in Deutschland unter dem Handelsnamen Vomex A erhältlich. Es wirkt beruhigend auf das Brechzentrum im Gehirn. Ebenfalls verfügbar ist Promethazin unter dem Namen Atosil, das ähnlich wirkt. Diese Mittel sollten etwa 30 bis 60 Minuten vor Reiseantritt eingenommen werden. Häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Kopfschmerzen, weshalb eine Einnahme vor längeren Autofahrten gut überlegt sein sollte.
Weitere Optionen
Scopolamin ist in Form von Pflastern erhältlich, die hinter das Ohr geklebt werden und bis zu 72 Stunden wirken. Meclozin ist ebenfalls verbreitet und verursacht weniger Müdigkeit als alternative Medikamente. In der Apotheke erhalten Sie auch Kombinationspräparate mit Vitamin B6, das unterstützend wirken kann. Alle diese Medikamente sollten vor der Verwendung mit einem Apotheker oder Arzt besprochen werden, um die beste Option zu finden.
Dosierung und Anwendung
Die genaue Dosierung hängt vom Alter und Gewicht ab. Für Erwachsene beträgt die typische Dosis von Dimenhydrinat 50 bis 100 mg vor der Reise. Kinder benötigen niedrigere Dosen, die genau bestimmt werden müssen. Es ist wichtig, die Packungsbeilage zu lesen und die empfohlenen Dosierungen nicht zu überschreiten, um Nebenwirkungen zu vermeiden.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Obwohl Reisekrankheit normalerweise harmlos ist, gibt es Situationen, in denen ein Arztbesuch erforderlich ist.
Warnsignale
Wenn die Symptome nach Beendigung der Fahrt nicht nachlassen oder sich verschlimmern, sollten Sie einen Arzt konsultieren. Besonders besorgniserregend sind anhaltende Kopfschmerzen, Fieber oder Lähmungserscheinungen. Diese könnten auf ernstere Erkrankungen wie Infektionen oder Nervenstörungen hinweisen. Bei erstmaligen schweren Symptomen ist es ratsam, ärztlichen Rat zu suchen.
Arztkonsultation vor der Reise
Menschen mit chronischen Erkrankungen oder die regelmässig mehrere Medikamente nehmen, sollten vor längeren Reisen ihren Arzt aufsuchen. Dies ist besonders wichtig für Menschen mit Herzerkrankungen, hohem Blutdruck oder Augenproblemen, da bestimmte Medikamente gegen Reisekrankheit kontraindiziert sein können.
Tipps für verschiedene Transportmittel
Unterschiedliche Fortbewegungsmittel erfordern unterschiedliche Strategien zur Vorbeugung von Reisekrankheit.
Autofahrten
Im Auto ist es besonders wichtig, regelmässig anzuhalten und kurze Spaziergänge zu machen. Der Fahrer selbst leidet oft weniger unter Reisekrankheit, da er die Kontrolle hat. Passagiere sollten auf den Horizont schauen statt auf die Strasse unmittelbar vor dem Auto. Ein offenes Fenster hilft oft bei Übelkeit und verbessert die Luftzirkulation.
Flug- und Schiffsreisen
Bei Flugreisen ist ein Platz über den Flügeln ideal, da dort die Bewegungen am wenigsten spürbar sind. Auf Schiffen helfen Kabinen in der Mittellage des Schiffes. Das Fokussieren auf den Horizont ist auch hier wichtig. Viele Reisende nehmen ihre Medikamente prophylaktisch ein, bevor Symptome auftreten.
Bahnfahrten
In Zügen empfiehlt sich ein Sitz in Fahrtrichtung. Das Fenster anzuschauen kann hilfreich sein. Bahnfahrten verursachen oft weniger Symptome als andere Transportmittel, da die Bewegungen sanfter und gleichmässiger sind.